Heilung und Verantwortlichkeit
Die Verantwortung für die eigene Gesundheit
Neue Erkenntnisse zur Krebsforschung
Aufsätze zur Akupunktur
Die Verantwortung für die eigene Gesundheit
Gerade eben wurde eine Studie veröffentlicht, die deutlich zeigt, wie stark das moderne Arbeitsumfeld insbesondere in Dienstleistungsberufen den einzelnen belastet.
Jede 10. Krankschreibung erfolgt inzwischen wegen psychischer Probleme.
Ganz besonders betroffen sind davon Berufstätige in der Dienstleistungsbranche, insbesondere im Sozial- und Gesundheitswesen, in der Telekommunikation und öffentlichen Verwaltung. Auch der Verlust des Arbeitsplatzes bedeutet für viele einen so massiven Einschnitt, dass sie daran psychisch erkranken, depressiv oder alkoholabhängig werden.
Das ist die moderne Arbeitswelt, die ganz erheblich zu einem ungesunden Leben beiträgt. Das entbindet den einzelnen jedoch nicht von seiner Verantwortung für sein Leben und seine Gesundheit.
Im Gegenteil, weil immer mehr Menschen sowohl durch ihre Berufstätigkeit wie auch ihre berufliche Stellung erleben, dass sie einerseits in einer enormen psychischen Anspannung stehen, andererseits jedoch so gut wie nichts durch ihre eigene Arbeit bewirken, nehmen die psychischen und psychosomatischen Erkrankungen sprunghaft zu. Weil andererseits von der Gesellschaft gefordert wird, dass man jeden zumutbaren Arbeitsplatz annehmen muss, ist der Druck auf den einzelnen, auch Tätigkeiten, die ihn krank machen, anzunehmen, enorm.
Letztendlich findet auch hier eine typische Umverteilung der kapitalistischen Gesellschaft statt, denn von den immer härteren Arbeitsbedingungen wie auch der Hire and Fire Mentalität von immer mehr Unternehmen profitieren nur die Unternehmen, bezahlen muss die Folgen sowohl der Einzelne mit dem Verlust seiner Gesundheit als auch die Gesamtgesellschaft, in dem die Behandlungskosten den Krankenkassen auferlegt werden.
Diese Art der Sozialisierung von Kosten kennen wir bereits aus vielen anderen Bereichen, ebenso wie wir alle schon mal davon gehört haben, dass selbst sehr gut verdienende Firmen ihre Gewinne oft genug noch nicht einmal im Inland versteuern.
Ich möchte jedoch kein anderes Gesellschaftsmodell predigen, ich kenne nämlich auch kein besseres.
Ich möchte den einzelnen daran erinnern, dass niemand außer ihm selbst für seine Gesundheit und für sein Leben verantwortlich ist.
Denn der gesamte Druck der sowohl von den Unternehmen als auch der Lobby der Arbeitgeber in Berlin ausgeht, funktioniert nur, weil immer weniger Menschen bereit sind, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und sowohl einzeln als auch solidarisch sich gegen eine zunehmend krankmachende Arbeitswelt zur Wehr setzen.
Das erinnert mich an einen Fall vor vielen Jahren.
Ein Arbeiter, der durch seinen besonderen Job damals Mitte der Achtzigerjahre monatlich mehr als 20.000 DM verdiente, hatte erhebliche gesundheitliche Probleme. Denn zu seinem Job gehörte, säureresistente Kunststoffböden aus einer besonderen Mischung aus Epoxid Harz und einem speziellen Quarzsand jeweils vor Ort zu verlegen. Damals war bereits in Dänemark die Verarbeitung von Epoxid Harz selbst mit Atemschutzgerät verboten worden, wegen der enormen gesundheitlichen Belastung durch die Dämpfe. Mit bereits ausgeprägten Vergiftungserscheinungen erschien dieser Mann bei mir und wünschte seine Heilung. Ich fragte ihn, ob er bereit wäre, den Job entweder ganz aufzugeben oder doch zumindest mit einer Art Gasmaske zu arbeiten, um in Zukunft den schädlichen Gasen nicht mehr ausgesetzt zu sein. Er meinte, das geforderte Akkordsoll könnte mit einem Atemschutzgerät nicht erfüllt werden und er sei auch nicht bereit, wieder in einen Job zurückzugehen, indem er bestenfalls 1/10 verdienen würde. Daraufhin lehnte ich die Behandlung ab.
Er wäre sicher eine gute Einkommensquelle für mich geworden, wäre doch eine fortlaufende Behandlung bei ihm zwingend geworden, da er sich arbeitstäglich erneut vergiftet hätte. Doch wenn ich nicht die geringste Chance für eine Heilung sehe, warum soll ich dann überhaupt behandeln? Nur um ihn in seinem Wunsch, weiterhin mit einer extrem gesundheitsgefährdenden Tätigkeit etwa das Zehnfache seines normalen Einkommens verdienen zu können, zu unterstützen?
Eine ganze Industrie lebt sehr gut von der krankmachenden Arbeitswelt, und zwar nicht nur die Arbeitgeber selbst, sondern ebenfalls die Pharmaindustrie wie auch ein ganzes Heer von Ärzten.
Niemand von uns kann darauf vertrauen, dass diese Industrie an besseren Arbeitsbedingungen gelegen sei, wir können nur selbst die Verantwortung für unser Leben und unsere Gesundheit übernehmen. Das bedeutet auch, dass wir im Zweifel einen Job kündigen oder erst gar nicht annehmen, wenn er uns krank machen würde.
Mir ist völlig klar, dass der einzelne, der gegen das krankmachende System rebelliert, unter Umständen mit erheblichen finanziellen Sanktionen rechnen muss.
Doch Gesellschaft besteht aus einzelnen Individuen, die, solange sie eher akzeptieren, durch das System krank gemacht zu werden anstatt sich ihrer eigenen Verantwortung zu erinnern, auch weiterhin zu Gunsten der Gewinne Weniger jeden einzelnen abstrafen wird, der es wagt, gegen das System zu rebellieren. Doch je mehr der einzelne innerhalb des Systems seine eigene Verantwortung akzeptiert und je mehr Individuen seinem Beispiel folgen, umso größer ist die Chance für eine Änderung der mörderischen Arbeitswelt.
Wobei das sehr wohl auch systemimmanent geschehen kann, dazu braucht man nicht unbedingt ein anderes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem.
In der gegenwärtigen Entwicklung unseres Systems verdienen Unternehmen sehr viel Geld, mitunter sogar, wenn sie sich selbst in eine Krise gestürzt haben (Banken) mit gewaltigen Beihilfen vom Staat, so hat eine einzige deutsche Bank innerhalb von weniger als einem Jahren mehr als 200 Milliarden Euro staatliche Unterstützung kassiert, das ist der gesamte Sozialhilfe Haushalt von mehr als fünf Jahren, sowie ganz bestimmte Berufsgruppen, die vom kranken System sehr gut profitieren, insbesondere Juristen und Ärzte.
Doch wir können nicht die Schuld einfach auf das System schieben, wenn wir noch nicht einmal die Verantwortung für unsere eigene Gesundheit übernehmen.
Denn auch ein System besteht aus einer Vielzahl von Menschen, die es mehr oder minder unterstützen. Doch die anderen sind nicht für meine Gesundheit verantwortlich, auch das System ist nicht für mich verantwortlich, dafür bin ich ausschließlich selbst zuständig.
Natürlich können mit Akupunktur die Folgen der krankmachenden Arbeitswelt behandelt und oft erfolgreich geheilt werden. Gerade bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Burn-out oder Angstzuständen zeigt meine Akupunktur weit überdurchschnittliche Erfolge. Doch in der Heilung passiert auch eine Öffnung für neue Lebensinhalte, man wird sich kaum noch dem mörderischen Klima des bisherigen Jobs aussetzen wollen.
Das ist auch eine unbewusste Angst vieler Patienten, die lieber krank bleiben und immer tiefer in ihre Krankheit hineinrutschen als ihre finanzielle Lebensgrundlage infrage gestellt zu sehen und deshalb auf eine Heilbehandlung verzichten.
Irgendwann ist natürlich keine Rettung mehr möglich. Auch Akupunktur kann nur selten das Wunder vollbringen, jemanden, der sich schon restlos verfahren hat und seinen Körper und Psyche ruiniert hat, wieder vollends herzustellen.
So muss jeder für sich selbst überlegen, ob er lieber genügend Geld für den Konsum hat oder gesund alt werden möchte. Wobei das eine das andere nicht unbedingt ausschließt, selbst innerhalb unserer Arbeitswelt. Man muss nur die Verantwortung übernehmen und auch andere daran erinnern, dass niemand außer mir selbst für mein Leben verantwortlich ist, zumindest spätestens dann, wenn die Kindheit vorüber ist.