Aufsätze
Aufsätze zur Akupunktur
Wachstum und seine Grenzen
Das chinesische Element Holz wird auch als Krone des Wachstums bezeichnet.
Bei näherer Betrachtung der chinesischen Lehre der fünf Elemente wird klar, dass jedes dieser Elemente, sobald es die anderen beherrscht, zu einem totalen Ungleichgewicht und somit zur Krankheit führt. Bleibt die Krankheit unbehandelt und wird das zu Grunde liegende Ungleichgewicht nicht wieder in ein Gleichgewicht überführt, verläuft die Krankheit unweigerlich tödlich.
Vergleichen Sie dazu bitte auch den Artikel:
Die fünf Elemente in der chinesischen Medizin Teil 5: Das Element Holz
den meine Schülerin Raphaela Allgöwer1991 gemeinsam mit mir verfasst hat.
Wachstum ist natürlich begrenzt
In der Natur ist Wachstum immer begrenzt. Jedes Lebewesen hat eine artgemäße Wachstumsgrenze. Kein Baum wächst über diese Grenze hinaus, Umwelteinflüsse, insbesondere der Standort, können jedoch dafür sorgen, dass die individuelle Grenze längst vor der artgemäßen Grenze erreicht wird.
Das einzige Lebewesen, das überhaupt in der Lage ist, wenn auch nicht für sich selbst, so jedoch in seiner Wirkung nach außen, Wachstumsgrenzen zu ignorieren, ist der Mensch.
Genau deshalb wurde auch die chinesische Lehre der fünf Elemente entwickelt. Als Warnung, aber auch als Leitfaden für ein gesundes Leben.
Die Grenzen des Wachstums werden einfach ignoriert.
Schon zu Beginn der Industrialisierung hätte eigentlich jedem vernünftigen Menschen klar sein müssen, dass die Rohstoffe, die sowohl für die Verarbeitung als auch als Energielieferanten Grundbedingung der Industrialisierung sind, in der Erdkruste nur begrenzt vorkommen. Es wurde einfach ignoriert. Man war so begeistert von den Möglichkeiten der Industriegesellschaft, dass man jeden Gedanken an eine Grenze des Wachstums durch die Begrenztheit der Rohstoffe einfach ausschloss.
Ende der Sechzigerjahre wurde erstmalig wissenschaftlich untersucht, wie lange wichtige Rohstoffe noch vorrätig sind. Es gab sehr unterschiedliche Methoden der Berechnung, entweder bei gleich bleibendem Verbrauch mit den bekannten Rohstoffvorkommen, mit einer prognostizierten Steigerung des Verbrauchs und der prognostizierten zukünftigen Entdeckung weiterer Rohstoffquellen und Mischungen beider Systeme.
Die optimistischen Schätzungen zum Thema Rohöl lauteten auf noch maximal 120 Jahre Verfügbarkeit.
Inzwischen ist klar, dass die Schätzungen damals sämtlich viel zu optimistisch waren. Der Verbrauch ist seitdem exponentiell gestiegen. Daran ändern auch neu entdeckte Vorkommen nichts. Erst kürzlich wurde das zweitgrößte Erdölfeld der Nordsee entdeckt. Das hört sich gewaltig an. Tatsächlich kann dieses Erdölfeld den Weltbedarf nur sieben Tage lang decken.
Doch nach wie vor ist unsere gesamte Wirtschaft wie auch das Finanzsystem auf den unerschütterlichen Glauben an ein unbegrenztes Wachstum aufgebaut.
Die Folgen, zumindest die ersten Symptome, sind inzwischen für jeden auf der Welt ersichtlich. Ein Zusammenbruch so genannter systemimmanenter Banken, die mit Staatsgarantien gerettet werden mussten, damit nicht das gesamte Bankensystem zusammenbricht. Doch die nächsten Krisen kündigen sich bereits an.
Trotzdem beten Politiker und Wirtschaftsführer den Götzen "Wirtschaftswachstum" nach wie vor an, als sei nichts geschehen.
Und natürlich auch alle, die nach wie vor ungehemmt konsumieren möchten. Denn nicht nur Politiker und Wirtschaftsführer sind in dieser Situation gefordert. Jeder von uns ist gefordert.
Und nun schauen wir uns einmal an, wozu der ganze Wachstumsglaube unter anderem geführt hat:
Quantität statt Qualität
Es ist, kein Wunder das die Entwicklung des Kapitalismus und die Entwicklung der Industriegesellschaft Hand in Hand gehen. Beide arbeiten mit Quantitäten.
Geld hat keine Qualität. Geld bekommt einen Wert nur durch Quantität.
Industrieproduktion erfordert, vor allem, seit Henry Ford das Fließband eingeführt hat, eine Mindest Quantität, um das Fließband rentabel zu machen. Gewinn wird erwirtschaftet, wenn die kalkulierte Mindest Quantität überschritten wird.
Deutschland hat den höchsten pro Kopf Verbrauch an Baumwolle. Verursacht durch billigst hergestellte Hemden, Unterwäsche und vor allem T-Shirts, die so schlecht verarbeitet sind, dass sie bereits nach wenigen Wäschen reif für die Mülltonne sind.
Natürlich gibt es auch in Deutschland. Baumwoll-Produkte bester Qualität. Sie kosten etwas mehr als das billige Zeug. Dafür leben sie allerdings mindestens 10 Jahre, wenn nicht noch länger. Vergleicht man den Preis für die Lebensdauer eines hochwertigen Produktes mit dem, was in derselben Zeit für Billigprodukte ausgegeben wurde, dann werden die Billigprodukte plötzlich sehr teuer. Für Sie hat man nämlich in der Zwischenzeit mindestens das Dreifache bezahlt.
Das nur ein Beispiel unter vielen, die Liste könnte nahezu endlos fortgesetzt werden.
Es liegt schließlich an uns, ob wir uns mit etwas Minderwertigem zufrieden geben und dafür am Ende sogar mehr bezahlen als für etwas Hochwertiges.
Die Industrie ist schließlich auf uns als Abnehmer angewiesen, würden wir auf Qualität achten, die Billigprodukte hätten keine Chance mehr.
Schein statt Sein
Auch das etwas, was uns mit Minderwertigem zufrieden geben lässt, solange nur der Schein aufrechterhalten wird, dass es eigentlich etwas Hochwertiges sei. Wie sonst sind die zahllosen Plagiate im Bereich vieler qualitativ hochwertiger Markenprodukte erklärbar?
Vielen scheint es egal, ob beispielsweise ein Polohemd die Qualität einer bestimmten Marke mit einem Krokodil als Markenzeichen aufweist oder nicht, Hauptsache das Krokodil prangt deutlich sichtbar auf der Brust. Dasselbe gilt für Uhren und vieles andere mehr.
Hauptsache der Schein stimmt. Mit Qualität, insbesondere Lebensqualität, hat ein falscher Schein überhaupt nichts gemein. Mit der anderen Bedeutung des Wortes gemein hat der Schein sehr viel mehr Ähnlichkeiten.
Je mehr innere Qualität verloren geht, umso wichtiger wird der Schein.
Hostessen Agenturen leben ebenfalls gut vom Schein. Sich mit einer Frau sehen zu lassen, die, würde sie dafür nicht bezahlt, noch nicht einmal einen Blick an den Mann verschwenden würde, der sie bezahlt, ist inzwischen ein einträglicher Geschäftszweig.
Das Schlimmste am Schein ist, dass man sich selbst betrügt. Wer den Schein durchschaut, sieht nur eine jämmerliche Gestalt, angesichts derer man sich fragen muss, ob man sie belächeln oder beweinen muss.
Konsum statt leben
Die Lebensqualität in der Urzelle der Gesellschaft, der Familie, wurde längst dem Konsum geopfert. Das geht inzwischen so weit, dass selbst die Kindererziehung in den ersten wichtigen Jahren, in denen der körperliche Kontakt zur Mutter so unglaublich wichtig ist, staatlichen und kirchlichen Einrichtungen überlassen wird.
Der Beruf geht vor, in Mittelstandsfamilien mit dem Anspruch der Selbstverwirklichung, in Unterschichtfamilien, um mit einer Familie überhaupt noch überleben zu können.
Warum werden dann überhaupt noch Familien gegründet, wenn das wichtigste, nämlich Kindererziehung und ein gemeinsames Zuhause dem Konsum geopfert werden?
Wie sehr die Qualität unseres Familienlebens inzwischen zu Grunde gegangen ist, lässt sich wohl auch an der Statistik ablesen. Nur die wenigsten Ehen leben lange genug, um die Kinder gemeinsam bis zur Pubertät zu bringen. Die meisten Ehen werden längst vorher geschieden und den Kindern, die schon vorher kaum etwas von ihren berufstätigen Eltern hatten, auch noch das emotinal schwierige Erleben getrennter Eltern zugemutet.
Oberflächlichkeit statt Qualität
Wir mögen noch so viel konsumieren, wir spüren trotzdem, dass etwas ganz essenzielles fehlt. Anstatt endlich mal einen Stopp einzulegen, um herauszufinden, was uns fehlt, wird noch mehr konsumiert. Und, um das Manko erst gar nicht mehr wahrzunehmen, werden wir gleichzeitig immer oberflächlicher.
Gleichzeitig wird, obwohl inzwischen noch nicht einmal mehr von Politikern geleugnet, dass alle wichtigen Rohstoffe allmählich zur Neige gehen, verdrängt und so getan, als ob wir in Zukunft noch mehr konsumieren könnten.
Der Kampf um die letzten Rohstoffe
Inzwischen steht für einige Rohstoffe das Aus schon fast unmittelbar bevor. Andere Rohstoffe wie beispielsweise Rohöl werden noch nicht einmal mehr 20 Jahre halten, nachdem nun auch die Schwellenländer sich nicht mehr mit Pferd, Kamel oder Fahrrad als Individualverkehrsmittel zufrieden geben. Von der deutschen Autoindustrie noch kräftig angeheizt, schließlich wird vor allem am Export in die Schwellenländer verdient.
Doch Rohöl ist auch der Grundstoff der Petrochemie, somit fast sämtlicher chemischer Produkte, insbesondere sämtlicher Kunststoffe. Unweigerlich wird der Preis für Rohöl in den nächsten Jahren so hoch steigen, dass man damit nicht mehr Häuser heizen und Autos und Maschinen bewegen kann.
Die Chance für die Petrochemie, wenn auch zu einem sehr hohen Preis für den Rohstoff, weiter arbeiten zu können.
Politiker, Wirtschaftsführer und die letzten Rohstoffe
Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ebenso wie das Strafgesetzbuch lehnen jede Vorbereitung für einen Angriffskrieg ab. Von deutschem Boden soll nie wieder Krieg ausgehen.
Die Vorbereitung eines Angriffskriegs wird in § 80 StGb mit lebenslänglicher Freiheitsstrafe, in minder schweren Fällen von mindestens 10 Jahren bedroht. Somit gilt sie als schweres Verbrechen.
Gleichwohl steht im Weißbuch der Bundeswehr nicht erst seit unser ehemaliger Bundespräsident darüber stolperte, sondern bereits seit einer großen Koalition die Sicherung von Rohstoffquellen, Absatzmärkten und Handelswegen als konkrete Aufgabe.
Man kann das etwas anders formulieren, dann wird deutlich, dass es um die Vorbereitung eines Angriffskriegs geht.
Man will keine deutschen Autos kaufen, da werden wir militärisch einschreiten müssen. Man will uns wichtige Rohstoffe nicht in den Mengen abgeben, in denen wir sie benötigen, um die Industrie am laufen zu halten, da werden wir wohl mal die militärischen Muskeln spielen lassen müssen. Eine Nation verhängt ein Handelsembargo, das können wir uns natürlich nicht bieten lassen, da muss die Bundeswehr einschreiten.
Indem man einfach ignoriert, das Rohstoffe allmählich zur Neige gehen, die Souveränität anderer Staaten nur insoweit gelten lässt, als sie unsere wirtschaftlichen Interessen nicht ernsthaft bedrohen, kann man also selbst für die Zukunft geplante Angriffskriege noch als Verteidigungsfall darstellen. Dabei liegt es eigentlich auf der Hand, wenn es um die letzten Rohstoffe geht, hat es überhaupt nichts mit Verteidigung zu tun, wenn man sich diese exklusiv durch militärische Gewalt sichern möchte.
Eigentlich gehören sämtliche Politiker, Militärs und Wirtschaftsführer, die zur Sicherung wirtschaftlicher Interessen einen Krieg einplanen, vor Gericht gestellt. Das gilt nicht erst für eine konkrete Planung, sondern bereits, indem die Bundeswehr in ihrem Weißbuch auf solche Kriege vorbereitet wird.
Allerdings müsste dazu erst einmal jemand Anklage erheben, doch Deutschland hat keine unabhängige Staatsanwaltschaft wie beispielsweise Italien, sondern die Staatsanwälte bekommen genau von den Politikern ihre Weisungen, die eigentlich vor Gericht gestellt werden müssten. Weshalb es wohl nie dazu kommen wird.
Gelegentlich kann man angesichts dessen eigentlich gar nicht genug (fr)essen, wie man kotzen müsste.
Von der Harmonie der fünf Elemente inzwischen weit entfernt
Die geradezu Verpflichtung zum Wachstum, weil nur mit Wachstum die enorme Überschuldung der Staaten wenigstens nicht noch weiter anwachsen würde, an eine Rückzahlung der Schulden glaubt wohl inzwischen ohnehin niemand mehr, bestenfalls eine Tilgung alter Schulden durch Neuaufnahme von Krediten, lässt ungeachtet der Fakten insbesondere bezüglich der Verfügbarkeit von Rohstoffen, dazu gehört inzwischen sogar Wasser (für die Produktion eines einzigen Kilogramms Schweinefleisch werden 12.000 l Wasser benötigt) lässt einen rechtzeitigen Kehrtschwung von Politik und Wirtschaft kaum erwarten.
Doch je länger man die Augen verschließt, je schlimmer die Krankheit wuchert, umso schlimmer wird der Zusammenbruch sein.
Es ist nicht viel anders als mit Krebs, dem einzigen, jedoch absolut zerstörerischen unbegrenzten Wachstum in der Natur, es gibt einen Zeitpunkt, an dem es kein Zurück mehr gibt, wo der Tod eine beschlossene Sache ist. Ob dieser Zeitpunkt für die Menschheit bereits gekommen ist oder wir noch kurz davor stehen, das kann leider nur die Nachwelt beurteilen.
Wenn es überhaupt noch eine Möglichkeit gibt, die Lebensgrundlagen der Menschheit zu erhalten, dann muss sehr schnell zur Harmonie der Elemente zurückgefunden werden.
Leider gibt es keine Akupunktur, die gleich auf ganze Staaten, Staatengemeinschaften oder Wirtschaftszweige Auswirkung hätte.
Es ist wohl auch nicht anzunehmen, dass die Politiker und Wirtschaftsführer, die uns nach und nach in die Situation geführt haben, in der Lage wären, ihre Bürger dort auch wieder hinauszuführen. Zumal sich immer wieder zeigt, dass sie nach wie vor an Wirtschaftswachstum glauben. Eigentlich verständlich, denn andernfalls müssten sie zugeben, dass ihr gesamtes Gebäude aus Wirtschafts- und Finanzpolitik noch nicht einmal auf Sand gebaut ist, sondern überhaupt keine reale Grundlage hat und auch niemals hatte.
Mit dem Schaden, den diese Politiker und Wirtschaftsführer bereits jetzt der Menschheit und unsrer Lebensgrundlage, der Erde zugefügt haben, würde es, würden sie deshalb angeklagt, wohl nur Höchststrafen geben.
Das Dumme am Strafrecht, es hat noch nie etwas geheilt. Im Gegenteil, alte Wunden werden zementiert und Hass und Rache bekommen auch noch eine staatlich legitimierte Grundlage.
Das Strafrecht könnte bestenfalls als Abschreckung für zukünftige Politikergenerationen gelten, würde man endlich mal nicht als einzige Konsequenz politischen Fehlverhaltens den Rücktritt in Erwägung ziehen, sondern die Leute wirklich vor Gericht stellen.
Die Republik Venedig war sehr klar und deshalb lange sehr mächtig. Ein Doge, der sich an den Interessen der Republik vergangen hatte, wurde geköpft. Das wurde zumindest in einem Fall auch tatsächlich durchgeführt.
Unter anderem daraus resultiert die Praxis des italienischen Strafrechts mit vollkommen unabhängigen Staatsanwälten. Die traurige Posse, die der derzeitige italienische Ministerpräsident vorführt, nämlich seine Mehrheit im Parlament als Hebel gegen die unabhängige Justiz zu benutzen, ändert nichts an der Unabhängigkeit der italienischen Justiz.
Gerade in diesem Bereich merken wir deutlich, dass Deutschland keine demokratische und rechtsstaatliche Vergangenheit hat. Von einer unabhängigen Staatsanwltschaft kann hier keine Rede sein, weshalb die Justiz in Deutschland oft genug noch immer den faden Beigeschmack einer politischen Justiz hat, eine der vielen anrüchigen Erblasten aus dem Dritten Reich. In den 80iger Jahren hat der BGH die Justiz des Dritten Reichs geadelt, indem in einem Grundsatzurteil sämtliche Urteile des berüchtigten Voksgerichthofs als Rechtens eingestuft wurden!
Es wird Zeit zum aufräumen
Wir können nicht erwarten, dass unsere bisherigen Führer etwas auch nur ändern möchten, geschweige denn können.
Wenn, dann muss jeder erst einmal bei sich selbst schauen, denn jede Gemeinschaft besteht nun mal aus einzelnen Individuen und die Gemeinschaft ist der Spiegel für die mehrheitliche Gedanken- und Gefühlswelt ihrer Individuen.
Wir können nicht von den anderen erwarten, wozu wir selbst nicht bereit sind.
Also wird es Zeit, erst einmal in der eigenen Hütte aufzuräumen, also bei sich selbst das Gleichgewicht der Elemente wiederherzustellen.
Dabei kann Akupunktur sehr hilfreich sein.
Nicht indem wir die Gesellschaft ändern wollen, Politiker vor Gericht stellen, obwohl sie dort eigentlich hin gehören, sondern indem wir mit eigenem gutem Beispiel zeigen, dass es auch anders geht und somit innerhalb unserer Gemeinschaft ein winzig kleines bisschen das Schwergewicht in die andere Richtung ziehen, kann sich vielleicht etwas ändern. Sonst bleibt es nur an herumdoktern an Symptomen.