Akupunktur Theorie

 

Das chinesische Zeichen für Akupunktur bedeutet unter anderem:

Krone des Heilens

Allein das Zeichen besagt schon, dass Akupunktur Heilkunst schlechthin ist. Alle anderen in der so genannten TCM ausgeübten Heilverfahren unterstützen lediglich die Akupunktur-Behandlung. Im kaiserlichen China arbeiteten in einer größeren Praxis neben dem Akupunkteur auch Kräutermediziner, Geburtshelfer, Wundärzte, die in etwa einem Orthopäden entsprechen, Zahnärzte und mitunter auch Diagnostiker, die mit den spezifisch chinesischen Diagnosemethoden (z.B. Pulsdiagnose) sehr genau diagnostizieren konnten. Ergänzt wurde das Angebot oft durch Tai Chi und weitere Heilmethoden.
Allerdings muss man recht weit zurückgehen, um Berichte über eine intakte chinesische Medizin zu finden. Bereits in der Mandschu Dynastie verloren sich, wohl in Zusammenhang mit der Unterdrückung der Han-Chinesen, mehr und mehr die überbrachten Kenntnisse und auch der Zugang zur Meditation ging zunehmend verloren. Seit der Revolution 1912 und all den nachfolgenden Wirren geriet auch die traditionelle Medizin immer mehr ins Hintertreffen. Zwei Gründe dürften dabei eine wesentliche Rolle gespielt haben:

Die hohe Schule chinesischer Medizin, ganz besonders gilt das für die Akupunktur, ist elitär. In die Kenntnis der geheimen Punkte wurden nur wenige Auserwählte eingeweiht. Diese Punkte entfalten außerordentlich starke Wirkungen, die bei missbräuchlicher Anwendung auch erheblich schaden könnten.

Die hohe Schule chinesischer Medizin geht weit über die Grenzen des Verstandes hinaus. Jedoch kann man ohne Meditation nicht über die Grenzen des Verstandes gehen. Spätestens seit Maos Kulturrevolution ist Meditation in China verpönt.

Dennoch ist dieses Wissen nicht verloren gegangen!

Akupunktur ist sehr alt. Ausgrabungen belegen, dass Akupunktur seit mehr als 4000 Jahren bekannt ist. Seitdem wurde sie stetig weiterentwickelt. Selbstverständlich wollte auch der Kopf wissen, was dabei eigentlich geschieht. Theorien wurden entwickelt.

Die Wirkungen der Akupunktur

Die Wirkungsweise der Akupunktur ist und bleibt ein Mysterium. Akupunkturpunkte werden als Energiezentren gedacht. Das Problem ist nur, dass wir nicht wissen, was Energie eigentlich ist. Man kann Energie ab einer gewissen Stärke messen, man kann sie nutzen, feinfühlige Menschen können sie auch spüren. Energie ist ein ähnlich nebulöser Begriff wie Gott. Mit zahllosen Vorstellungen behaftet, aber letztendlich mit den Mitteln des Verstandes nicht greifbar. Energie und Materie befinden sich in einer Korrelation. Vereinfacht ausgedrückt, ist Materie eine besondere Form der Energie. Aber was sind Energiezentren?

Akupunktur-Theorien

In einem Punkt sind sich alle Akupunktur-Theorien einig: Akupunktur wirkt auf den Energiehaushalt eines Organismus. Einige allgemein bekannte Punkte bilden selbst ein messbares energetisches Phänomen. Der elektrische Hautwiderstand ist an diesen Punkten deutlich geringer als in der Umgebung des Punktes. Aus dieser Entdeckung Prof. Bischkos (Lehrstuhl für Akupunktur an der Universität Wien) wurden Akupunktur-Punkt-Suchgeräte entwickelt, die auf diesen Punkten zuverlässig funktionieren. Allerdings kennt auch Prof. Bischko nur die Literatur bekannten Punkte. Auf den meisten stark wirksamen Punkten versagen diese Geräte.
Wenn wir uns klarmachen, dass Materie lediglich eine besondere Energieform darstellt, wird auch klar, warum das Beeinflussen des Energiehaushaltes erfolgreicher sein kann als die direkte Therapie der Materie, sei es durch Operationen oder Pharmazeutika. Daraus ist auch der ganzheitliche Ansatz nicht symptombezogener Behandlungen zu verstehen, denn auch die feinere Welt der Psyche wird direkt beeinflusst. Dennoch muss auch der materielle Ansatz beachtet werden. Ein Bruch muss gerichtet und geschient werden, Wunden müssen gereinigt und verbunden werden, auch Kinder kommen in der Regel nicht ohne äußere Hilfe zur Welt usw. Geeignete Kräuter und Medikamente, ebenso wie spezifisch auf den Patienten abgestimmte Tai Chi Übungen können die Heilung erheblich unterstützen.

Akupunktur und Meridiane

Akupunktur wird meist in Zusammenhang gebracht mit den Meridianen. Als Meridiane versteht man die Energieleitsysteme des menschlichen Körpers. Gemäß der meisten Theorien sind sie ähnlich fein und in ihrer Lage fixiert, wie Blutgefäße. Dem ist nicht so. Ein Meridian pulsiert, sehr viel langsamer zwar als Blutgefäße und sehr viel stärker, doch dabei verändert sich auch seine Lage erheblich. Ich habe gehört, dass dies mit den Mitteln der Kirlian-Fotografie auch beweisbar sein soll.
Meridiane und Akupunktur haben jedoch wenig miteinander zu tun. Das Meridian-System wurde unabhängig von der Akupunktur entdeckt. Es bot sich für eine Lernsystematik an, da die meisten der harmlosen Literatur bekannten Punkte auf den gedachten Bahnen der Meridiane liegen.
In meinen Behandlungen kommen Meridianpunkte nur selten vor. Es gibt wesentlich wirksamere Punkte!

Akupunktur ist ...

Akupunktur ist wie eine Sinfonie. Ton fügt sich zu Ton, vereinigt sich in einem nie zuvor gehörten Konzert. Es ist diese kosmische Musik, die den Weg zum Heilsein zeigt, der der ganze Mensch zustrebt. Wie auch in einem Konzert folgt das Verklingen der Instrumente einer natürlichen Ordnung. Das einfache Absammeln der Nadeln würde zu kreischenden Disharmonien führen. Akupunktur ist wie eine unsichtbare, meist nur dem Unbewussten zugängliche Landkarte, die eindringlich den Weg zeigt, der zu Sinn und Heilung führt.


Akupunktur ist eine äußerst feine Kunst. Spezielle Meditationstechniken helfen, die Wahrnehmung der Augen und der Fingerspitzen zu koordinieren, Punkte exakt zu lokalisieren. Akupunkturpunkte sind Punkte im mathematischen Sinne. Sie haben keine Fläche. In einigen Bereichen unseres Körpers liegen Punkt neben Punkt. Im Bereich unserer Pulse befinden sich auf einer Fläche in der ungefähren Größe einer Zwei-Euro-Münze weit mehr als 200 Punkte. Mit ungefähren Angaben werden Sie nie den richtigen Punkt treffen. Akupunkturpunkte liegen niemals auf Nervenzellen und auch nicht auf Blutgefäßen. Nur wenige, so genannte Meisterpunkte, wirken für sich alleine. Die meisten Punkte wirken nur im Konzert. Anhand der in einer Behandlung vorkommenden Punkte kann auch diagnostiziert werden, wenn der Akupunkteur unbedingt seinen Kopf beschäftigen möchte.

Akupunktur und WuWei

Es gibt eine natürliche Grenze zwischen angelerntem Wissen und dem WuWei, dem Wissen des Augenblicks. Wer sich auf des angelernte Wissen und das Verstehen seines Verstandes verlässt, kann am WuWei nicht teilhaben. Symptombezogene Akupunktur bewegt sich in den engen Grenzen des Verstandes. Sie komponiert nicht, sie zeigt keinen Weg. Sie unterdrückt nur ein Symptom.
Im WuWei wird der Akupunkteur quasi zum Werkzeug einer höheren Intelligenz. Er mag selbst nicht verstehen, warum nun dieser und kein anderer Punkt, warum hier Gold und dort Silber. Er mag gehört haben, dass Silber sediert. Vielleicht hat er am eigenen Leibe erfahren, dass Silber-Nadeln wie Sendeantennen wirken, goldene hingegen wie Empfangsantennen. Naturgemäß gibt es sehr viel mehr Empfänger als Sender. Greift er jedoch zu seinen Nadeln, muss er noch nicht einmal nachdenken, ob nun Gold oder Silber. Im Gegenteil, jeder Versuch des Denkens würde nur verwirren. Woher auch sollte sein Kopf wissen, ob er nun einen Sender oder einen Empfänger braucht? Wie wollte er entscheiden, welchen der vielen tausend Punkte er nun setzen muss? Der Verstand kann hier nicht helfen. Der Verstand würde nur verunsichern und Myriaden von Fragen kreieren.
Er nimmt die richtige Nadel und setzt sie in jenen einzigen Punkt, den er in diesem Augenblick wahrnimmt.

Akupunktur bewegt sich jenseits aller Theorien. Theorie mag helfen, einen Einstieg zu finden. Der Kopf ist beschäftigt und stört nicht. Aber Theorie gleicht den Blinden, die an einen Elefanten geführt werden. Der eine bekommt den dünnen Schwanz zu packen, der zweite ein mächtiges Bein, der dritte den Rüssel oder einen Stoßzahn. Jeder versucht auf das Ganze zu schließen und jeder schließt falsch.
Wenn Sie an einem meiner Kurse teilnehmen oder die Ausbildung absolvieren, werden wir uns mit Ihren Fragen befassen.
Lassen Sie sich von mir behandeln, spielen Theorien keine Rolle. Begeben Sie sich in die allwissenden, stillen Hände des WuWei.

 

Artikelserie über die 5 Elemente der chinesischen Medizin

Zum Einlesen eine Artikelreihe, die ich vor einigen Jahren gemeinsam mit Pramada D. Allgöwer für die Zeitschrift "Natur und Heilen" verfasst habe.

 

Die sechs Artikel im einzelnen:


Die fünf Elemente in der chinesischen Medizin Teil 1: Das Element Feuer


Die fünf Elemente in der chinesischen Medizin Teil 2: Das Element Erde


Die fünf Elemente in der chinesischen Medizin Teil 3: Das Element Metall


Die fünf Elemente in der chinesischen Medizin Teil 4: Das Element Wasser


Die fünf Elemente in der chinesischen Medizin Teil 5: Das Element Holz


Die fünf Elemente in der chinesischen Medizin Schluss: Das Rad der 5 Elemente

 

Die Links führen auf 2 verschiedene Webseiten von Frau Allgöwer.